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Wasserstoffprojekt an der Saar nimmt erste IPCEI-Hürde

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Autor: Redaktion

Wasserstoffprojekt an der Saar nimmt erste IPCEI-Hürde

31.05.2021. Der gemeinsam von sechs Unternehmen getragene Projektantrag mit dem Ziel, im Verbund eine grüne Wasserstoffwirtschaft im Saarland, in Frankreich und in Luxemburg aufzubauen, kann einen ersten, wichtigen Erfolg verzeichnen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat bekanntgegeben, dass der Antrag die erste Auswahlrunde erfolgreich durchlaufen hat. Das Projekt ist nun eingeladen, an der zweiten Phase, dem sogenannten „Match-Making“ auf europäischer Ebene, teilzunehmen.

Wermutstropfen war die im Rahmen der Pressekonferenz erfolgte Mitteilung, dass im Rahmen der IPCEI-Auswahlentscheidung die Projektkomponente der Saarbahn zunächst ohne positiven Bescheid bleibt. Auf Nachfrage ließ Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier in der Pressekonferenz jedoch vernehmen, dass dies keineswegs bedeute, dass dieser Teil des Vorhabens gänzlich ohne Förderung bleiben werde. Vielmehr sei man mit den Verantwortlichen im Gespräch, um hier alternative Lösungen zu finden.

Erfolgsfaktor Sektorenkopplung

Die sechs Partner sehen sich durch diese insgesamt guten Nachrichten auf ihrem gemeinsamen Weg zur Etablierung einer Wasserstoffwirtschaft im grenzüberschreitenden europäischen Verbund bestätigt: „Das Votum zeigt, dass wir beim Thema Wasserstoff auf dem richtigen Weg sind“, sagt Jens Apelt, Geschäftsführer der Creos Deutschland GmbH. Gerade die sektorenübergreifende Verbindung von Wasserstoffproduktion, Transport und Einsatz zur Dekarbonisierung von Industrie und Mobilität sei ein großes Plus des gemeinsamen Vorhabens. „Insofern setzen die Partner auch darauf, dass für den die Saarbahn betreffenden Projektteil eine Lösung gefunden wird, denn die positiven Aspekte des Projektverbunds ergeben sich gerade aus dem sektorübergreifenden Zusammenspiel der einzelnen Teilprojekte“, so Jens Apelt. Hier gelte der Grundsatz, dass das Ganze mehr sei als die Summe seiner Teile.

SHS: Wichtiges Zeichen für die Zukunft von grünem Stahl

„Wir freuen uns, dass das IPCEI-Projekt „H2Syngas“ der SHS – Stahl-Holding-Saar die erste Hürde im Förderverfahren nehmen konnte und nun auf EU-Ebene geprüft wird. Mit der innovativen Technologie von „H2Syngas“ geht die SHS-Gruppe mit den Unternehmen Dillinger und Saarstahl den nächsten wichtigen Schritt auf dem Weg zur CO2-neutralen Stahlproduktion und reduziert weiter ihre CO2-Emissionen“, sagt Jonathan Weber, Geschäftsführer der SHS – Stahl-Holding-Saar und COO von Dillinger und Saarstahl.

Votum bestärkt die Partner in ihrer Idee

Für das weitere Verfahren mit dem Ziel für die ausgewählten Projekte eine Notifizierung, d. h. eine beihilferechtliche Genehmigung der Europäischen Kommission, zu erhalten, setzen die Partner darauf, dass das gemeinsame Vorhaben weiterhin mit dieser Transnationalität und Vielfältigkeit auf der Abnahme- und Verbrauchseite zu überzeugen vermag. „Wir sind mit der Entscheidung mehr denn je von der gemeinsamen Entwicklungsperspektive überzeugt“, so Dr. Ralf Schiele, bei STEAG Geschäftsführer für die Bereiche Markt und Technik.

Mit der bekanntgegebenen Entscheidung verbindet sich die Hoffnung, dass die weiteren Entscheidungen gerade auch die in Aussicht gestellte, alternative Förderung des Saarbahn-Projektteils in absehbarer Zeit erfolgt, damit die Partner möglichst zeitnah an die Umsetzung gehen können. „Wir stehen in den Startlöchern. Je früher wir Bescheid wissen, desto rascher können wir uns an die Umsetzung machen. Und je eher die Umsetzung kommt, desto schneller profitiert der traditionsreiche Energiestandort Saarland nicht nur ökonomisch, sondern dank vermiedener CO2-Emissionen auch ökologisch von dem wegweisenden Projekt“, erläutert Ralf Schiele. Für das Saarland gehe es um nichts weniger als die Chance, sich als Vorreiter einer erfolgreich entwickelten Wasserstoffwirtschaft zu etablieren.

Alle Partner sind festen Willens, diese nicht nur für die beteiligten Unternehmen, sondern für das Saarland insgesamt bedeutende Chance zu ergreifen.

 

(Quelle: SHS – Stahl-Holding-Saar)

 

 

Die Projekte im Einzelnen

mosaHYc – Transport von Wasserstoff

Das gemeinsame Projekt der Verteilnetzbetreiber Creos und der GRTgaz „mosaHYc“ will eine bestehende Gasinfrastruktur nutzen, um ein grenzüberschreitendes Hochdrucknetz für den Transport von Wasserstoff aufzubauen. Ziel ist es, eine Infrastruktur mit einer Gesamtlänge von 100 km zu schaffen, die es Wasserstoffproduzenten und -verbrauchern in der „Grande Région“ ermöglicht, Geschäftsmodelle in der Industrie, im Wärmemarkt und im Verkehrssektor zu entwickeln. Dabei müssen sowohl das Zusammenspiel der verschiedenen Leitungsabschnitte im Raum Völklingen (Deutschland), Carling (Frankreich), Bouzonville (Frankreich) und Perl (Deutschland) im Saarland und in Frankreich berücksichtigt werden, als auch sicherheitstechnische Aspekte. Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie werden die bestehenden Leitungen untersucht und auf die Umstellung auf Wasserstoff vorbereitet. Darüber hinaus wird geprüft, inwiefern eine bestehende Leitungstrasse zwischen Völklingen und Saarbrücken für den Transport von Wasserstoff genutzt werden kann.

HydroHub Fenne

Mit dem Projekt „HydroHub Fenne“ (2x 17,3 MWel bzw. 664 kg H2/h bzw. ca. 5.800 t H2/a) von STEAG und Siemens Energy, welches bereits als „Reallabor der Energiewende“ ausgewählt wurde, soll im saarländischen Völklingen eine erste signifikante PEM-Elektrolyseanlage (Proton Exchange Membrane) entstehen. Der HydroHub Fenne soll auf dem Gelände eines bestehenden Kraftwerksstandorts von STEAG entstehen und dabei ohne weitreichende Änderungen und Umweltbelastungen die vorhandenen Strukturen im Sinne eines Brownfield-Ansatzes weiter nutzen. Die Anlage wird Strom aus erneuerbaren Energien („Grünstrom“) für die Elektrolyse einsetzen und so grünen Sauerstoff und Wasserstoff erzeugen. Der Grünstrom wird von STEAG teilweise in eigenen Anlagen z. B. der STEAG New Energies oder der STEAG Solar Energy Solutions erzeugt, oder am Markt über Green PPA-Verträge beschafft.

TraficHdeux – ÖPNV mit Brennstoffzellenfahrzeugen

Das Saarbahn-Projekt TraficHdeux wurde leider nicht berücksichtigt. Dennoch hält die Saarbahn an Ihrer Strategie fest, bis zum Jahr 2030 60 % ihrer Busflotte auf Brennstoffzellen als alterativem Antrieb umzustellen. Dabei setzt das Saarbrücker Verkehrsunternehmen auf die angekündigten Fördermittel durch das Bundesverkehrsministerium.

Das von der Saarbahn initiierte Projekt „TraficHdeux“ hat sich das Ziel gesetzt, die Infrastruktur zum Betrieb eines grenzüberschreitenden ÖPNV mit Brennstoffzellenzügen und -bussen aufzubauen. Kernstück dieses Projektes ist die Reaktivierung von nicht oder nur teilweise elektrifizierten Bahnstrecken über Landesgrenzen hinweg. Zudem ist der Aufbau einer Tankstelleninfrastruktur auf dem Kraftwerksgelände von STEAG in Völklingen angedacht. Auch die Busflotte soll schnellstmöglich auf emissionsfreie Antriebe umgestellt werden. Bis zum Jahr 2030 steht bei der Saarbahn die Ersatzbeschaffung von rund 85 Solo- und Gelenkbussen an. Der überwiegende Teil soll dabei als emissionsfreie Antriebe beschafft werden. Zusätzlich soll ein kleinskaliger Elektrolyseur errichtet werden, um die Versorgung bis zum Anschluss an die mosaHYc-Leitung sicherzustellen. Um die in der Anlaufphase vorhandenen Überkapazitäten optimal zu nutzen, soll die Tankstelle deshalb auch anderen kommunalen Unternehmen und gewerblichen Nutzern zur Verfügung gestellt werden.

H2SYNgas (SHS – Stahl-Holding-Saar)

Die saarländische Stahlindustrie mit den Unternehmen Dillinger und Saarstahl nimmt als industrieller Abnehmer eine Schlüsselrolle im strategischen Aufbau der regionalen grenzüberschreitenden Wasserstoffwertschöpfungskette ein. Zur Reduzierung von Prozessemissionen in der Stahlindustrie ist der Einsatz von Wasserstoff erforderlich. Im Rahmen des Innovationsprojektes „H2SYNgas“ wird eine Technologie an einem Hochofen der ROGESA Roheisengesellschaft Saar mbH, einer gemeinsamen Tochter von Dillinger und Saarstahl, entwickelt, welche die Nutzung von eigenen Prozessgasen und darüber hinaus von erheblichen Wasserstoffmengen für den Hochofenprozess ermöglicht. Das aus eigenen Prozessgasen erzeugte Synthesegas wird mit Wasserstoff angereichert. Dieses wasserstoffreiche Mischgas wird dann als Reduktionsmittel für die Reduktion der Eisenerze eingesetzt. Auf diese Weise wird Koks im Hochofenprozess ersetzt und damit CO2-Emissionen vermieden. Nach der im Jahr 2020 bereits an den Hochöfen in Dillingen installierten Koksgaseindüsung beabsichtigt die SHS – Stahl-Holding-Saar mit dieser neuen innovativen Technologie den nächsten Schritt auf dem Weg zur CO2-neutralen Stahlproduktion an der Saar zu gehen.