Rund 280 Topentscheider der Stahlbranche trafen sich gestern und vorgestern, live vor Ort in Düsseldorf oder online im Stream. Denn das Handelsblatt hatte zur Jahrestagung “Zukunft Stahl” geladen.
Thematischer Schwerpunkt in diesem Jahr: Green Steel.
Im Mittelpunkt stand dabei einmal mehr der Transformations- und Dekarbonisierungsprozess der Industrie. Wie kann dieser jetzt konkret aufgegleist werden und in die Gänge kommen? Aber auch, was im Rahmen der Energiewende von der neuen Bundesregierung und was von der EU an politischen Leitplanken aus Sicht der Branche gesetzt werden muss.
Allgemeiner Tenor: Die Branche braucht endlich Investitionssicherheit und verlässliche politische Rahmenbedingungen. Sonst wird eine historische Chance für den Wohlstand in Europa verpasst.
Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, mahnte zur Eile:
„Wir brauchen jetzt mehr Tempo.“
Es sei überfällig, dass „eine staatliche Flankierung für die Investitionen in CO2-arme Verfahren, die heute noch nicht wirtschaftlich sind“ erfolge.
Forderungen an die Politik

Auch Bernhard Osburg, Vorstandsvorsitzender der thyssenkrupp Steel Europe AG, unterstrich, wie wichtig ein klares Commitment der Politik nun sei:
„Stahl kann jetzt in Punkto Dekarbonisierung Geschichte schreiben, es braucht dafür aber das politische Go.“

Hendrik Adam, Vice President European Affairs TataSteel Limited, schlug in die gleiche Kerbe. Er appellierte aber nicht nur an die Politik, sondern auch an die Interessensvertreter aus den eigenen Reihen:
“Die Zeit ist nicht unendlich, wir müssen schnellstmöglich in den Dialog gehen.“

Geert Van Poelvoorde, CEO von ArcelorMittal Europe bekräftigte in diesem Zusammenhang, dass ein Nichthandeln der Politik beim drängenden Problem “Carbon Leakage“ einschneidende dramatische Folgen haben werde:
„Beim Thema Carbon Leakage ist es nicht fünf vor, sondern fünf nach 12, 2022 wird entschieden, wie groß oder wie klein die europäische Stahlindustrie in Zukunft sein wird.“
Saarland-Wirtschafts-Staatssekretär Jürgen Barke bekräftigte als Vertreter der Landespolitik eines Stahllandes diese Forderung. Es müsse jetzt dringend ein Carbon Leakage-Schutz von Berlin und Brüssel auf den Weg gebracht werden, um ein Abwandern der Stahlproduktion zu verhindern.
Der Refrain dieses einstimmigen Chors der Vertreter aus Industrie sowie aus Verbands- und Landespolitik lautet: „Liebe Politik, bitte komm jetzt schnellstmöglich zu Potte, sonst führt die Dekarbonisierung zur De-Industrialisierung.“
Ausblick
Dass in Berlin die Botschaft mit dieser Dringlichkeit vernommen worden ist, davon ist auszugehen. In Robert Habecks neu geschaffenem Superministerium für „Wirtschaft und Klimaschutz“ wird angeblich seit Dezember letzten Jahres mit Hochdruck an dem „großen Wurf“ für die Stahlindustrie gearbeitet. Präsentieren will Robert Habeck ihn erstmals zu Ostern.
Im Interesse der Stahlindustrie ist ihm zu wünschen, dass damit dann das langersehnte politische „Go!“ gleichsam wie ein Startschuss erfolgt.









