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Monitoringbericht zur Energiewende: Regierung und Industrie bewerten Reformbedarf

Am 15. September 2025 hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie den Monitoringbericht zur Energiewende vorgestellt. Der von den wissenschaftlichen Instituten BET und EWI erstellte Bericht war ein Auftrag aus dem Koalitionsvertrag der Regierungsparteien und soll eine Bestandsaufnahme des aktuellen Stands der deutschen Energiewende liefern.

von | 17.09.25

(Quelle: Adobe Stock / peerawat)
(Quelle: Adobe Stock / peerawat)

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche stellte auf Basis des Berichts zehn Schlüsselmaßnahmen vor, die eine Neuausrichtung der Energiewende zum Ziel haben.

Reiche betonte, dass die Energiewende “an einem Scheideweg” stehe und mehr Pragmatismus sowie Realismus benötige. Trotz der Erfolge beim Ausbau erneuerbarer Energien – heute stammen bereits fast 60 Prozent des deutschen Stroms aus Wind, Sonne und anderen regenerativen Quellen – müssten nun “Verlässlichkeit, Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Kostentragfähigkeit des Energiesystems für unseren Wirtschaftsstandort ins Zentrum rücken.”

Die zehn Schlüsselmaßnahmen der Ministerin:

  1. Ehrliche Bedarfsermittlung und Planungsrealismus
  2. Erneuerbare Energien markt- und systemdienlich fördern
  3. Netze, Erneuerbare Energien und dezentrale Flexibilität synchron ausbauen
  4. Technologieoffenen Kapazitätsmarkt schnell implementieren
  5. Flexibilität und Digitalisierung des Stromsystems voranbringen
  6. Einheitliche und liquide Energiemärkte erhalten und ausbauen
  7. Förderregime überprüfen, Subventionen systematisch senken
  8. Forschung zukunftsgerichtet vorantreiben, Innovationen fördern
  9. Wasserstoff-Hochlauf pragmatisch fördern, überkomplexe Vorgaben abbauen
  10. CCS/CCU als Klimaschutztechnologie etablieren

Die Ministerin betonte dabei, dass nur mit “sicherer, sauberer und bezahlbarer Energie” Arbeitsplätze gesichert, Wettbewerbsfähigkeit erhalten und sozialer Zusammenhalt gestärkt werden könnten. Sie forderte mehr Pragmatismus und Realismus in der Energiepolitik und sprach sich gegen Fehlinvestitionen und Überregulierung aus. Stattdessen solle auf “Markt, Technologievielfalt und Innovation” gesetzt werden.

Reaktion der Stahlindustrie

Die Wirtschaftsvereinigung Stahl, vertreten durch Hauptgeschäftsführerin Kerstin Maria Rippel, begrüßte grundsätzlich die Initiative der Bundesregierung und die zehn vorgeschlagenen Maßnahmen. Rippel bewertete es als “gut und wichtig, dass sich die Bundesregierung in Sachen Energiewende die Karten gelegt hat und Ministerin Reiche nun mit zehn konkreten Maßnahmen nachsteuern will.”

Die Stahlindustrie sieht jedoch dringenden Handlungsbedarf bei mehreren zentralen Punkten:

Kostensenkung als Priorität: Die Wirtschaftsvereinigung Stahl warnt vor zu hohen Energiekosten und fordert “wirksame Entlastungen für die energieintensiven Industrien.” Die aktuellen Strompreise seien “im internationalen Vergleich viel zu hoch” und ohne Korrektur würde der deutsche Industriestandort “den Anschluss” verlieren.

Versorgungssicherheit durch Back-Up-Kapazitäten: Ein weiterer Schwerpunkt der Industrieposition liegt auf der Versorgungssicherheit. Die Stahlindustrie fordert “ausreichend Back-Up-Kapazitäten” für Zeiten, “in denen der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint.” Ein Kapazitätsmechanismus sei daher notwendig, dürfe aber “die Stromkosten der Industrie nicht weiter verteuern.”

Wasserstoff-Hochlauf beschleunigen: Besonders kritisch sieht die Branche den Wasserstoffbereich. Beim “Wasserstoffhochlauf muss endlich Fahrt aufgenommen werden”, so Rippel, da dieser “für die Dekarbonisierung der Stahlindustrie von zentraler Bedeutung” sei. Die Stahlindustrie plädiert für “Flexibilität bei Farbenlehre und Regulierung” und warnt, dass die Zeit dränge: “Die richtigen Rahmenbedingungen müssen jetzt gesetzt werden, damit langfristige Investitionsentscheidungen getroffen werden können.”

Gemeinsame Zielsetzung trotz unterschiedlicher Schwerpunkte

Sowohl die Bundesregierung als auch die Stahlindustrie betonen die Notwendigkeit, die Energiewende voranzutreiben, setzen aber unterschiedliche Akzente. Während Ministerin Reiche einen umfassenden systemischen Ansatz mit zehn Maßnahmen verfolgt, fokussiert sich die Stahlindustrie primär auf Bezahlbarkeit, Versorgungssicherheit und den Wasserstoff-Hochlauf.

Die Stahlindustrie formuliert ihre Vision so: “Die Energiewende muss weiter entschlossen vorangetrieben werden: Mit mehr Erneuerbaren, starken Netzen und einem konsequenten Wasserstoffhochlauf – und dies zu international wettbewerbsfähigen Preisen.” Nur wenn all dies ineinandergreife, seien “die Voraussetzungen geschaffen, damit ‘Clean Steel Made in Germany’ Realität werden kann”, so Kerstin Maria Rippel.

Kritische Stimmen zu den Reformplänen

Die vorgeschlagenen Maßnahmen stoßen nicht nur auf Zustimmung. Die Deutsche Umwelthilfe und die Grünen-Bundestagsfraktion kritisierten die Pläne als potenzielle “Ausbau-Bremse für die Erneuerbaren” und warnten vor neuen fossilen Abhängigkeiten durch den “technologieoffenen Kapazitätsmarkt.”

(Quellen: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und Wirtschaftsvereinigung Stahl)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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