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Graphitelektroden: Warum Dumpingpreise die Beschaffung gefährden

Kai Portmann, CEO der Erftcarbon GmbH, ordnet die Bedeutung der Dumpingpreise von Graphitelektroden für die europäische Stahlindustrie ein.

von | 10.03.26

Kai Portmann, CEO der Erftcarbon GmbH, (Quelle: Erftcarbon GmbH)
Kai Portmann, CEO der Erftcarbon GmbH, (Quelle: Erftcarbon GmbH)

Nie waren Graphitelektroden so billig wie heute. Was Einkäufer in der Elektro-Stahlerzeugung kurzfristig entlastet, birgt jedoch erhebliche Beschaffungs-Risiken und gefährdet ganz akut den klimaneutralen Umbau der europäischen Stahlindustrie. Tatsache ist: Der verlässliche Zugang der europäischen Industrie zu Graphitelektroden ist entscheidend für den Ausbau der Erzeugung von Grünem Stahl.

Graphitelektroden sind für die Elektrostahlproduktion unverzichtbar. Ohne sie können Elektrolichtbogenöfen (EAF) keinen Stahl erzeugen. Bereits heute machen EAF rund 40 bis 45 Prozent der Stahlproduktion in der EU aus – Tendenz steigend, wenn Europa seine Klimaziele erreichen will.

Die Versorgung der europäischen Stahlindustrie mit Graphitelektroden ist derzeit jedoch erheblichen Risiken ausgesetzt. Denn die Beschaffung konzentriert sich zunehmend auf Regionen außerhalb der Union. Dumpingpreise machen Graphitelektroden aus Indien und China für die europäischen Stahlhersteller attraktiv. Welche Auswirkungen eine Importabhängigkeit haben kann, haben mehrere Branchen in den letzten Jahren schmerzlich erfahren. Nun drohen ähnliche Folgen für die Stahlindustrie.

Importe bergen erhebliche Risiken:

  • Geopolitisches Risiko: Die Abhängigkeit von Importen setzt Europa geopolitischen Spannungen, Exportbeschränkungen und Versorgungsengpässen aus – und zwar genau dann, wenn die Nachfrage nach kohlenstoffarmem Stahl steigt.
  • Arbeitsplatzverluste und Deindustrialisierung: Importe verdrängen die europäische Produktion. Kein europäischer Hersteller von UHP-Graphitelektroden arbeitet derzeit noch profitabel. Die Folge sind Werksschließungen, der Verlust qualifizierter Arbeitsplätze und die Erosion industrieller Ökosysteme, die nicht ohne Weiteres wieder aufgebaut werden können. Um mehr als 30 Prozent sind die Produktionskapazitäten in Europa bereits gesunken. Heute fertigen nur noch drei Unternehmen Graphitelektroden auf dem Kontinent.
  • Kosten- und Angebotsvolatilität: Kurzfristige Preisvorteile verdecken die langfristige Anfälligkeit für Preisschwankungen, plötzliche Engpässe und den Verlust an Verhandlungsmacht für EU-Stahlhersteller.

Graphitelektroden machen nur einen vergleichsweise kleinen Teil der Kosten bei der Herstellung von grünem Stahl aus. Viele Entscheider unterschätzen deshalb ihre strategische Bedeutung. Doch ohne Graphitelektroden stehen die Anlagen still. Der verlässliche Zugang der europäischen Industrie zu Graphitelektroden ist entscheidend für den nachhaltigen Ausbau der Erzeugung von grünem Stahl und aller nachgelagerten Industrien. Graphitelektroden sind damit der Game Changer für das Erreichen der Klimaziele und letztlich für den Erhalt zigtausender Arbeitsplätze. Der politische Rahmen ist gesteckt: Der europäische Automobilpakt fordert mehr emissionsfreie Fahrzeuge und kohlenstoffarmen Stahl. Bis 2050 will Europa klimaneutral sein. Dass Graphitelektroden ein systemkritischer Faktor sind, um diese politischen Ziele zu erreichen, ist vielen jedoch nicht bewusst.

Buy local

Letztlich sind die Unternehmen selbst verantwortlich, ihrer Lieferketten durch lokale Beschaffung zu sichern. Das ist keine politische, sondern eine strategische, unternehmerische Entscheidung. Als europäischer

Hersteller von UHP-Graphitelektroden stehen wir der Industrie dabei als verlässlicher Partner zur Seite – mit dem Anspruch auf Preisstabilität, zuverlässige Belieferung und höchste Qualität. Denn langfristige Partnerschaften sind die Grundlage für eine stabile und wettbewerbsfähige Elektrostahlproduktion in Europa.

(Quelle: Erftcarbon GmbH)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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