„Unsere Branche muss nun konsterniert feststellen, dass sich die Auktionierung von Zertifikaten nach nur fünf Versteigerungsterminen zu einem Wettbewerb um Gewinngarantien für finanzstarke Akteure entwickelt hat – zulasten des Mittelstandes und der Energiekunden“, so das Zwischenfazit von Jobst Dietrich Diercks vom Deutschen Verband Flüssiggas.
Für 2026 stehen rund 192 Millionen Emissionszertifikate zur Versteigerung bereit. Der tatsächliche Bedarf der berichtspflichtigen Unternehmen liegt nach Schätzungen auf Basis der Vorjahresverkäufe jedoch bei rund 290 Millionen Zertifikaten. Abgesehen davon, dass dieses Verfahren mit erheblichem bürokratischem und damit kostentreibendem Aufwand für die betroffenen Unternehmen verbunden ist, kann das Ergebnis nicht überzeugen.
Bei den bisherigen Auktionen überstieg die Gebotsmenge die jeweils zugeteilte Menge um ein Vielfaches. Bei der jüngsten Versteigerung hätte ein Bieter rechnerisch etwa das 24-Fache seines tatsächlichen Bedarfs bieten müssen, um Zertifikate in der benötigten Menge zu erhalten – und dafür Sicherheiten in Höhe des um das 24-Fache erhöhten Gebots hinterlegen müssen. „Damit wird die Zuteilung von den verfügbaren Kapitalreserven bestimmt. Mittelständische Energieversorger werden dadurch strukturell benachteiligt“, so Diercks.
Zugleich eröffne der faktisch außer Kraft gesetzte Preisbildungsmechanismus finanzstarken Marktteilnehmern erhebliche Arbitragemöglichkeiten. Diese könnten in diesem Jahr Zertifikate zum Ausgabepreis von 65 Euro erwerben und nahe dem Überschussmengenpreis von 68 Euro weiterverkaufen. Die Folge: zusätzliche Belastungen für Verbraucher und mittelständische Energieversorger, ohne dass diese Mehrkosten dem Staat zugutekämen.
BEHG-Novelle stoppen und Preismechanismus neu gestalten
Die geplante BEHG-Novelle – das Dritte Gesetz zur Änderung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes – würde die Fehlentwicklung nach Auffassung des Flüssiggas Verbandes weiter verschärfen. Finanzakteure könnten im Jahr 2027 bei einem Ausgabepreis von 65 Euro und einem Weiterverkauf nahe dem Überschussmengenpreis von 73 Euro eine Marge von mehr als zehn Prozent erzielen.
„Die Bundesregierung muss den Referentenentwurf daher noch im vorparlamentarischen Verfahren stoppen. Die verbleibende Zeit gilt es zu nutzen, um gemeinsam mit den betroffenen Branchen einen verlässlich kalkulierbaren Preismechanismus für 2027 zu entwickeln“, fordert Diercks.






