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Digitaler Stahlhandel: Die Transformation des B2B-Geschäfts

Der Handel mit Stahl und metallischen Rohstoffen durchläuft einen fundamentalen digitalen Wandel. Was früher über Telefon, Fax und E-Mail abgewickelt wurde, findet heute zunehmend auf digitalen B2B-Plattformen statt. Von spezialisierten Handelsplattformen für Metalle über umfassende E-Commerce-Lösungen für den Fachhandel bis hin zu automatisierten Beschaffungsprozessen – die Digitalisierung verändert die Art und Weise, wie Stahl gehandelt wird, grundlegend. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Effizienz, sondern auch um Transparenz in der Lieferkette und die Integration von Nachhaltigkeitsdaten.

von | 20.10.25

(Quelle: Adobe Stock / azlen)
(Quelle: Adobe Stock / azlen)

Die Digitalisierung des Stahlhandels hat in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Während traditionell Telefon, Fax und E-Mail die Kommunikation bestimmten, haben sich digitale B2B-Handelsplattformen mittlerweile als zukunftsweisende Lösung etabliert und gewinnen kontinuierlich an Bedeutung.

Ein Vorreiter dieser Entwicklung ist das Düsseldorfer Unternehmen Metalshub, das seit 2017 als digitale B2B-Handelsplattform für Metalle und Ferrolegierungen agiert. Die Plattform digitalisiert den gesamten Beschaffungsprozess – von der Ausschreibung über die Lieferantenqualifizierung bis zur Vertragsabwicklung. Mehr als 1.100 Unternehmen haben sich mittlerweile auf der Plattform registriert, und das Handelsvolumen ist beeindruckend gewachsen: Von 20 Millionen Euro im Jahr 2018 auf über 300 Millionen USD im Jahr 2020.

Wie wichtig der Online-Handel mit metallischen Rohstoffen geworden ist, zeigt auch das Interview mit Dr. Sebastian Kreft, Co-Founder des Softwareanbieters Metalshub, in der Zeitschrift stahl (Ausgabe 5-6/2023). Kreft betont: „Unser wichtigstes Produkt ist im Moment Schrott. Wenn man sich den Rohstoffmix anschaut, von Unternehmen, die mit dem Elektrolichtbogenofen Stahl produzieren, dann entfallen ca. 80 Prozent der Rohstoff-Einkaufskosten auf Schrott. Das ist für diese Unternehmen der mit weitem Abstand wichtigste Rohstoff.”

Führende Stahlhersteller wie die SHS-Gruppe (Saarstahl und Dillinger), die GMH Gruppe und Swiss Steel Group setzen mittlerweile auf Metalshub für ihre

Digitalisierung im technischen Fachhandel: Das Beispiel NORDWEST

Während sich spezialisierte Plattformen wie Metalshub auf den Rohstoffhandel konzentrieren, zeigen Verbundgruppen wie NORDWEST, wie die Digitalisierung den gesamten technischen Fachhandel transformiert. Der IT Community Day 2025 der NORDWEST Handel AG verdeutlichte eindrucksvoll die Bandbreite digitaler Lösungen für Fachhändler.

Über zwei Tage hinweg verwandelte sich der Dortmunder Showroom von NORDWEST in eine Inspirationsplattform für Onlinehandel, Online-Marketing und digitalisierte Geschäftsprozesse. Rund 140 Fachhandelspartner nutzten die Gelegenheit, sich über aktuelle Entwicklungen und praxisnahe Lösungen zu informieren – ein Rekordwert, der das wachsende Interesse an digitalen Handelslösungen unterstreicht.

Zentrale Themen der Digitalisierung im Fachhandel

Datenbereitstellung und -integration

Ein Kernthema war DataConnect als Erfolgsfaktor zur digitalen Zusammenarbeit. Datenbereitstellung muss heute flexibel und passgenau sein – ob es darum geht, dynamische Sortimente schnell zusammenzustellen oder Zielsysteme automatisch mit den richtigen Informationen zu versorgen.

Elektronischer Datenaustausch (EDI)

Der elektronische Belegaustausch mit Lieferanten wird zunehmend zum Standard. Workshops zeigten, wie EDI-Projekte mit NORDWEST als Clearing-Center ablaufen und was hinter dem Begriff webEDI steckt – eine wichtige Voraussetzung für effiziente, papierlose Geschäftsprozesse.

E-Commerce-Lösungen

Die Entwicklung moderner E-Shops stand ebenfalls im Fokus. Von den neuesten Releases über aktuelle Entwicklungen bis zu geplanten Funktionen – die kontinuierliche Weiterentwicklung digitaler Verkaufskanäle ist entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit.

Punchout-Technologien

Besonders relevant für den B2B-Handel: Moderne Punchout-Technologien wie OCI und cXML ermöglichen die direkte Anbindung von E-Shops an Kunden-ERP-Systeme und Plattformen wie Ariba und Coupa. Praxisbeispiele zeigten, wie Produktdaten effizient bereitgestellt, Schnittstellen technisch umgesetzt und Kundenprozesse automatisiert werden können.

Digital Marketing im B2B-Bereich

Die Digitalisierung erfasst auch das Marketing:

WhatsApp für Marketing & Vertrieb: Immer mehr Händler integrieren WhatsApp in ihre Kundenkommunikation – datenschutzkonform über die WhatsApp Business API-Lösung für automatisierten Versand maßgeschneiderter Nachrichten, alltägliche Kommunikation, Bestellannahmen oder Ersatzteilservice.

Social Media Posting Service: Bereits über 180 Fachhandelspartner nutzen professionellen Content, den NORDWEST als Social Media Kampagnen über die Plattform socialPALS anbietet. Markenhersteller stellen ihre Kampagnen zentralisiert den Händlern für die Steigerung der regionalen Sichtbarkeit bereit.

E-Mail-Marketing: Mit kreativen Textideen, überzeugenden Bildkonzepten und klaren Best Practices können Fachhändler ihre Newsletter optimieren und ihren Onlineshop nachhaltig stärken.

Martin Reinke, Geschäftsbereichsleiter Digitale Services & E-Business bei NORDWEST, bilanzierte: „Der IT Community Day 2025 hat erneut gezeigt, wie Digitalisierung im Fachhandel nicht nur ein Schlagwort bleibt, sondern durch praxisnahe Lösungen und den intensiven Austausch mit unseren Partnern konkret und umsetzbar wird.”

Nachhaltigkeit im digitalen Stahlhandel

Ein wichtiger Aspekt der Digitalisierung ist die Integration von Nachhaltigkeitsdaten. Der Product Carbon Footprint (PCF) wird zunehmend zu einem entscheidenden Faktor im Stahlhandel.

Metalshub hat beispielsweise eine Partnerschaft mit dem Wissenschaftsunternehmen Minviro geschlossen, um Product Carbon Footprint (PCF)-Daten für Stahlwerksrohstoffe bereitzustellen. Beschaffungsteams können so ihre Scope-3-Emissionen besser evaluieren und datenbasierte Entscheidungen zur Reduktion des CO₂-Fußabdrucks treffen.

Die wachsende Bedeutung von Schrott als Rohstoff im Kontext der Dekarbonisierung wird auch in der Rubrik „Spezial Schrott” der Zeitschrift stahl (Ausgabe 5-6/2023) deutlich. Der Umweltbonus von recyceltem Stahl beflügelt die Nachfrage erheblich: Im Vergleich zur Herstellung aus Eisenerz via Hochofenroute spart das Recycling im Schnitt 1,67 Tonnen CO₂ pro Tonne Stahl – das entspricht der Menge CO₂, die ein PKW auf einer Strecke von 9.000 Kilometern ausstößt.

Die Integration von Nachhaltigkeitsdaten in digitale Plattformen wird zudem durch regulatorische Anforderungen wie das EU-CBAM-System (Carbon Border Adjustment Mechanism) vorangetrieben. Unternehmen müssen künftig die CO₂-Bilanz ihrer Produkte transparent nachweisen – eine Anforderung, die ohne digitalisierte Prozesse und Datenintegration kaum zu erfüllen ist.

Herausforderungen und Erfolgsfaktoren

Trotz aller Fortschritte stehen Unternehmen bei der digitalen Transformation des Handels vor verschiedenen Herausforderungen:

Systemintegration: Die Anbindung verschiedener IT-Systeme erfordert technisches Know-how und sorgfältige Planung. Standards wie EDI, OCI und cXML helfen, Schnittstellen zu vereinheitlichen.

Datensicherheit und Compliance: Mit zunehmender Digitalisierung steigen auch die Anforderungen an Cybersicherheit und Datenschutz. Wie beim IT Community Day thematisiert, braucht jedes Handelsunternehmen einen Notfallplan.

Change Management: Die Akzeptanz neuer digitaler Prozesse muss bei allen Beteiligten geschaffen werden. Praxisnahe Schulungen und der Austausch von Best Practices, wie er auf Events wie dem IT Community Day stattfindet, sind dabei entscheidend.

Kontinuierliche Weiterentwicklung: Die digitale Transformation ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess. Unternehmen müssen bereit sein, ihre Systeme kontinuierlich weiterzuentwickeln und an neue Anforderungen anzupassen.

Ausblick: Die Zukunft des digitalen Stahlhandels

Die Digitalisierung des Stahlhandels wird sich weiter beschleunigen. Dr. Sebastian Kreft von Metalshub formuliert es klar: „Wir glauben an die Plattformisierung des Rohstoffhandels.” Die Vorteile – von Effizienzgewinnen über Transparenz bis hin zu Nachhaltigkeitsvorteilen – sind so überzeugend, dass digitale Handelsplattformen sich als Standard etablieren werden.

Auch im technischen Fachhandel zeigt sich diese Entwicklung deutlich. Die positive Resonanz auf den IT Community Day 2025 – mit einem Teilnehmerrekord von 140 Gästen – unterstreicht das wachsende Interesse und die Bereitschaft, digitale Lösungen zu implementieren.

Die Integration von künstlicher Intelligenz wird den digitalen Handel weiter revolutionieren – von der Bedarfsprognose über die Preisoptimierung bis hin zur personalisierten Kundenansprache. Gleichzeitig werden Nachhaltigkeitsdaten immer stärker in Handelsplattformen integriert, um die gesamte Lieferkette transparent zu machen.

Für Unternehmen in der Stahlbranche und im technischen Fachhandel ist die digitale Transformation des Handels keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit. Wer jetzt die Weichen richtig stellt und in digitale Handelslösungen investiert, sichert sich entscheidende Wettbewerbsvorteile für die kommenden Jahre.

Online-Quellen:

Fachartikel:

  • stahl. 5-6/2023: Interview mit Dr. Sebastian Kreft (Metalshub): „Gamechanger Carbon Footprint”, S. 22-25.
  • stahl. 5-6/2023: Nicole Voigt (Boston Consulting Group): „Mit KI grünen Stahl als Wachstumschance nutzen”, S. 33-36.
  • stahl. 5-6/2023: „Schrotthandel: Umweltbonus beflügelt Nachfrage”, S. 38-41.
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