Damit bekräftigen beide Partner ihr gemeinsames Ziel, die regionale Transformation hin zu klimaneutralen Energieträgern aktiv voranzutreiben.
Die Moleküle der Wasserstoffwirtschaft bilden gemeinsam mit den Elektronen der Stromwirtschaft das strategische Rückgrat einer klimaneutralen Energieversorgung. Wasserstoff fungiert dabei als universeller Energiespeicher, der die Lücke zwischen volatiler Erzeugung und industriellem Dauerlastbedarf schließen kann. Damit stellt Wasserstoff auch die Dekarbonisierung der Produktionsprozesse von Industrieunternehmen sicher.
„Der Aufbau des Wasserstoff-Kernnetzes ist für die Netze BW als Gasverteilnetzbetreiber der nächste logische Schritt: Wir entwickeln unsere Infrastruktur weiter, damit Unternehmen in Baden-Württemberg auch künftig klimafreundlich und wettbewerbsfähig produzieren können,“ betont Dr. Jörg Reichert, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Netze BW.
DUNGS als technologischer Vorreiter
DUNGS entwickelt und produziert am Stammsitz in Urbach Komponenten und Systeme für die sichere und effiziente Gasverbrennung. Als technologischer Vorreiter im Bereich wasserstofffähiger Verbrennungstechnik ist das Unternehmen zukünftig sowohl Anbieter als auch Anwender von Wasserstofftechnologien.
Eine besondere Herausforderung stellt die Lage des Standorts dar: Urbach liegt vergleichsweise weit entfernt von der Süddeutschen Erdgasleitung (SEL), die künftig Teil des bundesweiten Wasserstoff-Kernnetzes sein wird und eine wichtige Anbindung nach Baden-Württemberg darstellt. Eine direkte Anbindung ist daher erst langfristig (ab 2035) zu erwarten. Mit der Absichtserklärung wollen Netze BW und DUNGS dennoch frühzeitig prüfen, wie eine perspektivische Wasserstoffversorgung auch abseits der großen Wasserstoffpipelines ermöglicht werden kann.
Anbindung von Standorten abseits des H2-Kernnetzes
„Der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft darf sich nicht ausschließlich an bestehenden Leitungen orientieren“, erklärt Hendrik Adolphi, Leiter Gasnetz und Infrastrukturmanagement von der Netze BW. „Industriebetriebe wie DUNGS zeigen, dass auch Standorte mit größerer Entfernung zum Wasserstoff-Kernnetz einen Bedarf haben. Diese Bedarfe müssen frühzeitig in die Planung einfließen, wenn wir regionale Standortnachteile vermeiden wollen.“
Vor diesem Hintergrund ist der Aufbau eines regionalen Wasserstoffclusters in Urbach im Gespräch. Ziel ist es, neben pipelinegebundener Infrastruktur auch durch dezentrale Erzeugung von grünem Wasserstoff – etwa mittels Elektrolyse – nicht nur die eigene Wärmeversorgung zu dekarbonisieren, sondern perspektivisch auch benachbarte Industrie- und Handwerksbetriebe mit klimafreundlicher Energie zu versorgen, z.B. über ein Wärmenetz.
Regionale Cluster mit Brückenfunktion
„Regionale Cluster können eine wichtige Brückenfunktion übernehmen, bis das Wasserstoff-Kernnetz tatsächlich in der Fläche ankommt“, so Adolphi, weiter. „Das Vorhaben in Urbach ist ein gutes Beispiel dafür, wie Industrie, Netzbetreiber und Region gemeinsam Verantwortung übernehmen.“ Auch DUNGS sieht in dem regionalen Ansatz große Chancen: „Gerade für kleinere und mittlere Betriebe ist der Umstieg auf klimaneutrale Wärme oft eine enorme Herausforderung“, betont Simon Dungs, Geschäftsführer Technik des Unternehmens. „Ein regionales Wasserstoffcluster kann hier neue Perspektiven eröffnen, Wertschöpfung in der Region halten und den Standort Urbach insgesamt stärken.“
Absichtserklärung als starkes Signal für den Industriestandort Urbach
Die Gemeinde Urbach begrüßt das Engagement ausdrücklich. „Die Absichtserklärung ist ein starkes Signal für den Industriestandort Urbach“, erklärt Bürgermeisterin Martina Fehrlen. „Sie stärkt die regionale Wertschöpfung, sichert Arbeitsplätze und zeigt, dass Klimaschutz und industrielle Entwicklung gemeinsam gedacht werden können.“
Mit dem Abschluss der Absichtserklärung baut die Netze BW ihr Netzwerk potenzieller industrieller Ankerkunden in der Wasserstoffverwendung weiter aus. Gleichzeitig wird deutlich: Der Aufbau einer Wasserstoffregion beginnt dort, wo engagierte Unternehmen konkrete Lösungen entwickeln – auch jenseits bestehender Infrastruktur. Weitere Industrie- und Gewerbebetriebe sind eingeladen, sich frühzeitig über ihren verantwortlichen Gasnetzbetreiber an der regionalen Wasserstoffplanung zu beteiligen.









