Konkret bedeutet das: Bis zum 12. Juni 2027 läuft die letzte Ausnahmeregelung für bleihaltige Aluminiumlegierungen (über 0,4 Gew.-%) aus – danach gilt ein Grenzwert von 0,1 %. Das hat weitreichende Folgen für die europäische Metallindustrie, denn der Bleiausstieg betrifft nicht nur Aluminium, sondern auch Stahl (bisher 0,35 %) und Kupferlegierungen, bei denen heute noch bis zu 4 % Blei zulässig sind.
Für Eural Gnutti, den weltweit führenden Hersteller von gezogenen Aluminiumstangen für die spanende Bearbeitung und einen der größten Anbieter extrudierter Stangen und Profile, kommt diese Entwicklung nicht überraschend. Das Unternehmen hat frühzeitig auf bleifreie Aluminiumlegierungen gesetzt und den regulatorischen Wandel damit aktiv mitgestaltet, statt ihn abzuwarten.
Blei in Legierungen: Nützlich, aber nicht mehr zeitgemäß
Blei verbessert die Zerspanbarkeit von Metallen – das war lange sein großer Vorteil. Als niedrigschmelzendes Element reduziert es die Reibung zwischen Werkstück und Werkzeug und verlängert so die Standzeit. Doch die REACH-Verordnung stuft Blei als besonders besorgniserregenden Stoff (SVHC) ein, der ab einem Anteil von 0,1 % als hochgiftig gilt und erhebliche Risiken für Gesundheit und Umwelt birgt.
Daraufhin hat die RoHS-Richtlinie geprüft, ob und wie Blei ersetzt werden kann – unter Berücksichtigung technischer, wirtschaftlicher und gesundheitlicher Aspekte sowie der Verfügbarkeit von Alternativen. Begleitet wurde dieser Prozess durch die technisch-wissenschaftliche Studie „Paket 22″, an der Eural Gnutti neben der European Aluminium Association und weiteren Branchenakteuren aktiv mitwirkte.
Lead free by Eural: Den Wandel vorausgedacht
Die Ergebnisse von Paket 22 decken sich mit dem, was Eural Gnutti in der Praxis bereits bewiesen hat. Im Rahmen des Projekts LEAD FREE hat das Unternehmen drei bleifreie Legierungen entwickelt, die allesamt auf einem hohen Recyclinganteil basieren und eine überzeugende Bearbeitbarkeit bieten.
Den Anfang machte die 6026LF: Sie vereint gute mechanische Eigenschaften mit hoher Zerspanbarkeit und ist vollständig eloxierbar. Die 2033 folgte als Legierung für die Hochgeschwindigkeitsbearbeitung – sie bildet feine, gleichmäßige Späne und läuft zuverlässig auf Automaten und CNC-Maschinen. Damit ist sie die logische Alternative zur bewährten 2011. Die jüngste Entwicklung ist die 2077: Sie richtet sich an Anwendungen mit hohen mechanischen Anforderungen und übertrifft die 2024 – mit Werten nahe der 7075. Dank der Kombination aus Festigkeit und exzellenter Bearbeitbarkeit lassen sich damit enge Toleranzen und bessere Oberflächen erzielen. Aluminium punktet dabei zusätzlich mit seiner geringen Dichte von rund 2,7 g/cm³ – gegenüber 7,8 g/cm³ bei Stahl und 8,9 g/cm³ bei Kupfer.
Aluminium als strategischer Werkstoff für die Dekarbonisierung
Aluminium ist mehr als nur eine bleifreie Alternative – es ist ein Werkstoff, der zur Dekarbonisierung aktiv beiträgt. Leicht, korrosionsbeständig, gut leitfähig und einfach zu verarbeiten: Diese Eigenschaften machen es zur attraktiven Option überall dort, wo heute noch schwerere oder weniger nachhaltige Materialien im Einsatz sind. Hinzu kommt die hohe Recyclingfähigkeit, die den Energieverbrauch und den CO₂-Fußabdruck über den gesamten Lebenszyklus deutlich senkt – ein klarer Vorteil im Rahmen der europäischen Klimaziele.
„Die Aktualisierung der RoHS-Richtlinie ist die logische Formalisierung eines bereits seit Langem eingeschlagenen technischen und industriellen Weges“, erklärt Giorgio Di Betta, Vertriebsleiter bei Eural Gnutti. „Im Rahmen der europäischen Konsultation haben wir konkrete industrielle Belege vorgelegt und damit gezeigt, dass bleifreie Legierungen, insbesondere diejenigen, die in den Labors von Eural entwickelt wurden, bereits weltweit verfügbar sind und weit verbreitet eingesetzt werden. Sie entsprechen den Anforderungen der Feinmechanik und stellen technisch zuverlässige sowie ökologisch nachhaltige Alternativen dar“, schließt er. „Unsere Beteiligung als qualifizierte technische Ansprechpartner bestätigt die Solidität der im Laufe der Jahre geleisteten Arbeit und stärkt den Willen des Unternehmens, entschlossen den Weg einer Entwicklung im Zeichen verantwortungsvoller Innovation fortzusetzen.”









