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Fraunhofer IKTS startet Technologieplattform für Kreislaufwirtschaft und Verfahrenstechnik im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen

Das Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS hat seine »Technologieplattform für Kreislaufwirtschaft und Verfahrenstechnik TKV« im Beisein von Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann und Staatsekretärin Stefanie Pötzsch des Landes Sachsen-Anhalt im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen eingeweiht.

von | 18.08.26

(Quelle: Adobe Stock / Andrii Yalanskyi)
(Quelle: Adobe Stock / Andrii Yalanskyi)

Die TKV soll Unternehmen dabei unterstützen, effiziente Verfahren zu entwickeln, zu skalieren, in industrieller Umgebung zu erproben und in die Anwendung zu überführen. Das Ministerium für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten des Landes Sachsen-Anhalt fördert den Aufbau der neuen Forschungsinfrastruktur mit 4,5 Millionen Euro.

Mit der TKV erweitert das Fraunhofer IKTS sein Forschungs- und Entwicklungsangebot in Sachsen-Anhalt. Die Plattform ist seit dem 1. Juli 2026 im Technologie- und Gründerzentrum Bitterfeld-Wolfen angesiedelt. In den kommenden vier Jahren entsteht dort mit Laboren und Technika eine Infrastruktur, die Unternehmen, Forschung und Bildung enger zusammenbringt. Ziel ist es, gemeinsam mit der chemischen Industrie, den innovativen Unternehmen aus der gesamten Region sowie Partnern aus der Forschung anwendungsnah an zukunftsfähigen und wirtschaftlichen Lösungen zu arbeiten, um diese schneller in die Praxis zu bringen.

Forschung und Industrie enger verzahnen

Internationaler Wettbewerb, Abhängigkeiten in Wertschöpfungsketten mit hohen Energie- und Rohstoffpreisen sowie wirtschaftliche Herausforderungen beim Übergang zu einer klimafreundlicheren Produktion bewegen den Chemiestandort Mitteldeutschland und erfordern neue Technologien, Geschäftsmodelle und eine engere Zusammenarbeit zwischen Forschung und Industrie. Mit der TKV will das Fraunhofer IKTS seine verfahrenstechnische Expertise in den Bereichen Ressourcennutzung, Rohstoffe, Energie, Wasser, Kreislaufwirtschaft und Bioökonomie noch stärker für regionale Unternehmen nutzbar machen. Es schafft damit einen einfachen Zugang zum umfangreichen Technologieportfolio des IKTS mit seinen praxisnahen Entwicklungs- und Erprobungsumgebungen. Ergänzt wird das Kompetenzspektrum durch Systemanalyse und Modellierung zur ganzheitlichen Bewertung technologischer Entwicklungen.

»Viele technologische Innovationen scheitern beim Übergang vom Labor in den industriellen Maßstab. In Sachsen-Anhalt, geprägt von einer traditionsreichen chemischen Industrie und agilen KMU, schließen wir eine strategisch wichtige Lücke und stärken den Transfer von der Forschung in die Anwendung«, erklärt Dr. Daniela Pufky-Heinrich, Leiterin des Center for Economics and Management of Technologies CEM des Fraunhofer IKTS.

Durch die Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IKTS können die Unternehmen des Chemieparks und der gesamten Region Forschungsergebnisse schneller in industrielle, wirtschaftlich tragfähige Lösungen skalieren und neue Verfahren praxisnah bis zur großtechnischen Umsetzung erproben.

Konkrete Lösungen für Chemie, Recycling und Wasserwirtschaft

Ein Schwerpunkt der TKV liegt auf membranbasierten Lösungen für die Aufbereitung komplexer Prozess- und Abwässer. Zudem steht die Rückgewinnung kritischer Rohstoffe aus festen und flüssigen industriellen Reststoffen im Fokus.

Dr.-Ing. Burkhardt Faßauer, Abteilungsleiter Kreislauftechnologien und Wasser am Fraunhofer IKTS, betont: »In einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft sind industrielle Reststoffe und auch Prozesswässer nicht Abfall, sondern Wertstoffe. Unser Ziel ist es, diese Stoffe so aufzubereiten, dass sie im Chemiepark oder in benachbarten Industrien wiederverwendet oder in anderen industriellen Anwendungen genutzt werden können. Das spart Ressourcen und senkt Entsorgungskosten.«

Dieser Ansatz umfasst anorganische und organische Reststoffe, wovon vor allem die Nutzbarmachung letzterer die inhaltliche Brücke der TKV auch in die dynamische Bioökonomie-Branche Sachsen-Anhalts schlägt. Mit einem Angebot an robusten keramischen Sensoren bspw. für die Überwachung von korrosionsgefährdeten Behältern und Rohrleitungen einschließlich datenwissenschaftlicher Algorithmen für die Auswertung ermöglicht die Technologieplattform außerdem eine skalierbare Echtzeitüberwachung und präzisere Steuerung von Prozessen – auch unter extremen Industriebedingungen.

Stimmen aus der Politik

Prof. Dr. Armin Willingmann, Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt: »Exzellente Forschung braucht nicht nur kluge Köpfe, sondern auch Orte, an denen Neues ausprobiert werden kann. Die Technologieplattform für Kreislaufwirtschaft und Verfahrenstechnik ist ein solcher Ort – offen für Kooperation, wissenschaftliche Neugier und technologische Innovation. Mit der Technologieplattform können wir Wissenschaft und Wirtschaft zudem noch enger verzahnen. Das macht die Wissenschaft und Wirtschaft gleichermaßen attraktiver und wettbewerbsfähiger.«

 

Stefanie Pötzsch, Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten des Landes Sachsen-Anhalt: »Die Transformation der Industrie gelingt dort am besten, wo Forschung, Entwicklung und Unternehmen eng zusammenarbeiten. Mit der Förderung der TKV schaffen wir die infrastrukturellen Voraussetzungen, um Innovationen der Kreislaufwirtschaft schneller in die industrielle Praxis zu überführen und so die Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandorts nachhaltig zu stärken.«

Gefördert wird das Projekt mit 4 496 625 € durch das Ministerium für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten des Landes Sachsen-Anhalt und aus Mitteln der Europäischen Union (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE)) kofinanziert.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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