Generic filters
FS Logoi
Generic filters

Bitkom-Studie: Digitalisierung kann jede fünfte Tonne CO2 einsparen

Wie die Bitkom-Studie „Klimaeffekte der Digitalisierung“ zeigt, können die CO2-Emissionen in Deutschland durch den gezielten und beschleunigten Einsatz digitaler Lösungen in den kommenden zehn Jahren um bis zu 151 Mt CO2 sinken. Das entspricht rund einem Fünftel der heutigen CO2-Emissionen. Unter Berücksichtigung des durch digitale Geräte oder Infrastrukturen erzeugten CO2-Ausstoßes beträgt die durch Digitalisierung erreichbare […]

von | 18.03.21

Bitkom: Digitalisierung kann jede fünfte Tonne CO2 einsparen

Wie die Bitkom-Studie „Klimaeffekte der Digitalisierung“ zeigt, können die CO2-Emissionen in Deutschland durch den gezielten und beschleunigten Einsatz digitaler Lösungen in den kommenden zehn Jahren um bis zu 151 Mt CO2 sinken. Das entspricht rund einem Fünftel der heutigen CO2-Emissionen. Unter Berücksichtigung des durch digitale Geräte oder Infrastrukturen erzeugten CO2-Ausstoßes beträgt die durch Digitalisierung erreichbare CO2-Einsparung 129 Mt netto. Insgesamt muss Deutschland in den kommenden zehn Jahren 262 Mt CO2 einsparen. „Auch mit Blick auf den Klimawandel ist ein beschleunigter Umbau unserer Wirtschaft hin zu einer digitalen Ökonomie das Gebot der Stunde“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

Klimaorientierte Digitalstrategie benötigt

Lag Deutschlands CO2-Ausstoß 2019 noch bei 805 Mt, so darf er 2030 lediglich 543 Mt betragen. Für jeden einzelnen Bundesbürger bedeutet das, dass sein Pro-Kopf-Verbrauch an CO2 von 9,7 t/a 2019 auf 6,5 t /a 2030 sinken muss. Rohleder: „Wir brauchen eine konsequent klimaorientierte Digitalstrategie. Mithilfe digitaler Technologien können wir enorme Mengen CO2 einsparen und gleichzeitig unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit und unsere Krisenresilienz steigern.“

Die Bitkom-Studie führten Umwelt- und Digitalisierungsexperten von Accenture durch. Darin untersuchen sie jene sieben Anwendungsbereiche digitaler Technologien, in denen ein besonders großer CO2-Einspareffekt möglich ist. Es handelt sich dabei um die industrielle Fertigung, Mobilität, Energie, Gebäude, Arbeit & Business, Landwirtschaft sowie Gesundheit. Zugleich untersuchen sie auch den CO2-Ausstoß, der von den digitalen Technologien selbst ausgeht. So verursachen insbesondere Herstellung und Betrieb von Endgeräten wie Bildschirmen, Computern oder Tablets, aber auch der Betrieb der Netzinfrastruktur und der Rechenzentren mittelbar CO2-Emissionen. Schreitet die Digitalisierung in einem moderaten Tempo fort, werden hierdurch im Jahr 2030 rund 16 Mt CO2 jährlich ausgestoßen. Bei einer beschleunigten Digitalisierung sind es 22 Mt. Insgesamt, so das Fazit der Studie, ist das CO2-Einsparpotenzial der hier betrachteten digitalen Technologien mehr als sechs Mal höher als ihr eigener Ausstoß.

Entscheidend sei laut Bitkom, wie konsequent die Digitalisierung bis 2030 vorangetrieben werde. So beziffert die Studie das CO2-Einsparpotenzial bei einer eher moderaten Entwicklung der Digitalisierung, wie sie aktuell in Deutschland stattfindet, auf rund 102 Mt bis zum Jahr 2030. Das entspricht 39 % der notwendigen CO2-Einsparungen. Unter Berücksichtigung jenes CO2-Ausstoßes, der durch Produktion und Betrieb digitaler Technologien verursacht wird, liegt der Netto-Effekt in diesem Szenario bei 86 Mt, was 33 % der notwendigen Einsparungen entspricht. Mit einer beschleunigten und gezielten Digitalisierung ist die CO2-Reduktion mit den genannten 151 Mt deutlich größer und beträgt 58 % der notwendigen Einsparungen (netto: 129 Mt CO2 bzw. 49 % der Einsparungen).

Ausgewählte Ergebnisse der Studie im Überblick:

  • Energie: Im Energiesektor lassen sich bis zu 23 Mt CO2 bei einer beschleunigten Digitalisierung und 19 Mt CO2 bei einer moderaten Digitalisierung bis 2030 einsparen. Maßgebliche Technologie sind hier zum einen Smart Grids, also intelligente Stromnetze, in denen Stromerzeugung und -verbrauch präzise gesteuert werden können. Daten und Elektrizität fließen in Smart Grids nicht nur vom Erzeuger zum Nutzer, sondern auch wieder zurück. So können Netzlasten besser gesteuert werden. Zum anderen geht es um eine digital gesteuerte, effiziente Produktion erneuerbarer Energien. Digitale Technologien wie etwa Künstliche Intelligenz und Big Data können den Zustand von Anlagen zur Produktion erneuerbarer Energien in Echtzeit überwachen und analysieren, um u. a. Ausfällen durch vorausschauende Wartung vorzubeugen und die Auslastung der Anlagen zu erhöhen. „Smart Grids sind die Grundlage der Energiewende. Unsere Stromnetze müssen zwingend zu Smart Grids umgebaut werden, um den Energieverbrauch zu senken und Stromerzeuger und -verbraucher näher zueinander zu bringen“, betont Bitkom-Hauptgeschäftsführer Rohleder.
  • Industrielle Fertigung: Im Bereich der industriellen Fertigung entfalten digitale Technologien das größte CO2-Einsparpotenzial unter den betrachteten Anwendungsbereichen: Bis zu 61 Mt CO2 kann eine beschleunigte Digitalisierung bis 2030 einsparen – und 35 Mt bei einem moderaten Digitalisierungstempo. Maßgebliche Technologie ist zum einen die Automatisierung in der Produktion, bei der Anlagen und Maschinen, Werkstücke und ihre Bauteile miteinander vernetzt sind und Prozesse selbstständig unter möglichst geringem Material- und Energieeinsatz ablaufen. Zum anderen sorgt der sogenannte Digitale Zwilling für deutliche CO2-Einsparungen: Diese virtuellen Abbilder von kompletten Produktions- und Betriebszyklen machen es möglich, dass Verfahren zunächst am digitalen statt am realen Objekt getestet werden – so können massiv Material, Energie und Ressourcen gespart werden.
  • Mobilität: Bis zu 28 Mt CO2 bei einer beschleunigten Digitalisierung und 17 Mt CO2 bei einer moderaten Digitalisierung lassen sich bis 2030 in diesem Bereich einsparen. Bedeutender Hebel ist hier zum einen eine intelligente Verkehrssteuerung, bei der etwa Sensoren an der Straße oder GPS-Systeme in Autos Daten liefern, die Ampeln schalten, Verkehrsströme umleiten oder öffentliche Transportmittel stärken können. Zum anderen liegen große Potenziale in einer smarten Logistik, die Leerfahrten vermeidet und Frachtrouten optimiert. Auch die Sharing Mobility, die nicht nur Car-Sharing, sondern auch Ride-Sharing umfasst, bei dem sich mehrere Fahrgäste mit ähnlicher Zielrichtung ein Fahrzeug teilen, kann für eine effizientere und ressourcenschonendere Mobilität sorgen.
  • Arbeit und Business: Zuhause arbeiten statt ins Büro pendeln: Jeder Tag im Homeoffice kann einen messbaren Beitrag zum Klimaschutz leisten. 2019 haben erst 12 % der Berufstätigen in Deutschland im Schnitt zwei Tage pro Woche im Homeoffice gearbeitet. Bei einer moderaten Entwicklung erreicht dieser Wert im Jahr 2030 48 % – und 55 % bei einer beschleunigten Digitalisierung der Büroarbeit. Auch der Ersatz von Geschäftsreisen durch Videokonferenzen sowie eine Reduktion von Büroflächen fallen ins Gewicht. Zwischen 10 und 12 Mt CO2 könnten so bis 2030 eingespart werden.

„Eine konsequente Digitalisierung ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Klimapolitik“, bilanziert Rohleder. Kleine und mittlere Unternehmen müssten durch eine Neuauflage des Programms „digital jetzt“ bei Investitionen in digitale Technologien unterstützt werden. „Das zahlt nicht nur auf die Nachhaltigkeit ein, sondern macht die Unternehmen auch zukunfts- und wettbewerbsfähig“, betont Rohleder. „Wir brauchen Förderprogramme auch für die Verbraucher, damit sie ihr Zuhause mit einer intelligenten Energiesteuerung ausstatten können.“ Aber auch die Entscheidungsträger in Unternehmen seien gefragt. So sollten alle Unternehmen auch nach der Corona-Pandemie Dienstreisen durch Webkonferenzen weitgehend ersetzen und ihren Mitarbeitern möglichst umfassend Homeoffice ermöglichen. Rohleder: „Digitaler Klimaschutz ist eine riesige Chance für die deutsche Wirtschaft.“

Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine Studie, die im Auftrag des Digitalverbands Bitkom von Accenture durchgeführt wurde. Ein erster Teil mit den vier Bereichen industrielle Fertigung, Mobilität, Gebäude und Arbeit & Business wurde im November 2020 anlässlich des Digitalgipfels der Bundesregierung vorgestellt.

 

(Quelle: Bitkom)

 

Passend zur Studie: Die aktuelle Ausgabe der stahl. beschäftigt sich mit dem großen Titelthema „Green Steel“. Die kommende Ausgabe 2 wird das Thema Digitalisierung in der Stahlindustrie aufgreifen.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Die ganze Welt der Metallurgie, immer in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Eurodia to participate in Bioket 2026

Eurodia to participate in Bioket 2026

Eurodia, a global specialist in tailor-made eco-efficient industrial processes for liquid purification, will present its solutions dedicated to biobased chemistry and biomass valorization at BIOKET, the international trade fair focused on key enabling technologies for the bioeconomy (Booth No. 39), from March 17 to 19 in Fribourg.

mehr lesen

Fachinformationen für Sie

Industrie 4.0 – Prozesse und Ressourcen effizient managen

Industrie 4.0 – Prozesse und Ressourcen effizient managen

Vor dem Hintergrund der steigenden Rohstoffkosten rückt der effiziente Ressourceneinsatz immer mehr in den Fokus der Unternehmen. Das Management der kompletten Prozesskette von der Produktgestaltung über die Produktion und Logistik bis hin zu ...

Zum Produkt

Prozesswärme – 03 2019

Prozesswärme – 03 2019

Themenbereich: Thermoprozesstechnik

Die Ausgabe 3 der PROZESSWÄRME erscheint pünktlich zum Messequartett GIFA, METEC, THERMPROCESS und NEWCAST in Düsseldorf. Im großen Sonderteil erfahren Sie alles rund um die Messen mit besonderem Schwerpunkt auf GIFA und METEC – allgemeine ...

Zum Produkt

„GasQualitaetGlas“: Lokale Erdgasbeschaffenheiten und Auswirkungen auf industrielle Gasverbraucher (Teil 1)

„GasQualitaetGlas“: Lokale Erdgasbeschaffenheiten und Auswirkungen auf industrielle Gasverbraucher (Teil 1)

Autor: Jörg Leicher, Tim Schneider, Tim Nowakowski, Anne Giese, Klaus Görner, Bernhard Fleischmann, Nils-Holger Löber
Themenbereich: Thermoprozesstechnik

Der Erdgasmarkt durchläuft derzeit tiefgreifende Veränderungen, mit Auswirkungen nicht nur für die Gaswirtschaft, sondern auch für viele Endverbraucher. Ein Thema, das insbesondere für industrielle Endverbraucher immer mehr in den Fokus rückt, ist ...

Zum Produkt