
Willkommen zur Ausgabe 6/2026 der „PROZESSWÄRME“!
Ein Strahlrohr, das im Betrieb zwischen Gas, Strom und beidem gleichzeitig umschaltet. Ein Brenner, der seinen Zielkonflikt zwischen CO und NOX mit elektrischer Luftvorwärmung auflöst. Eine Großlagerschmiede, in der sich zeigt, wie viel Abwärme bislang ungenutzt verpufft: In Deutschland gehen jährlich rund 50 bis 70 Prozent davon verloren. Diese Ausgabe zeigt, dass Flexibilität in der Thermoprozesstechnik zur Kernkompetenz wird.
Im Editorial beschreibt Dr. Bora Özkan von Ipsen diese Flexibilität als „energetische Handlungsfähigkeit“. Wer seine Energieflüsse versteht und auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren kann, wird die Energiewende meistern. Wie dringend das ist, macht Giorgio Di Betta von Eural Gnutti im Interview deutlich. Der Vorsitzende der Extrusion Division von European Aluminium nimmt kein Blatt vor den Mund. Er spricht über Energiekosten, Freihandelsabkommen und die Abwanderung von Aluminiumschrott, die Europas grüne Bilanz gefährdet. Sein Appell: faire Wettbewerbsbedingungen und Politiker, die handeln, bevor es zu spät ist.
Unser Spezial Hybrid Heating fragt: „Strom oder Gas? Warum nicht beides?“ Prof. Dr.-Ing. Christian Wuppermann vom IOB der RWTH Aachen University erklärt im Interview, wie weit hybride Beheizungskonzepte in der Praxis sind. Er erläutert auch, warum Ammoniak neben Wasserstoff und Strom zur dritten Säule werden könnte. Steven Bullert und seine Co-Autoren berichten von den Betriebserfahrungen mit einem hybriden Doppel-P-Strahlrohr. Sebastian Schengber und Lars Schröder zeigen, wie dezentrale elektrische Luftvorwärmung die Emissionen von Industriegasbrennern optimiert. Dr. Marco Rische und Dr. Martin Ennen stellen induktionsbasierte Technologien wie den UHT Thermo Jet vor, die Hochtemperaturprozesse elektrifizieren.
Dazu: Jan Fischer von Schaeffler eröffnet mit dem ersten Teil seiner Potentialanalyse zur Abwärmenutzung in der Großlagerschmiede. Der zweite Teil folgt in der Ausgabe 7-8/2026. F. Stephan Auch zeigt, wie sich mit dem Presshärten von Borstählen verschleißfeste und hochfeste Bauteile mit Zugfestigkeiten bis 1.800 MPa wirtschaftlich in Europa fertigen lassen. Leona Niemeyer stellt das Forschungsprojekt HHydroKrem vor. Mit Wasserstoff, Strom und Wärmerückgewinnung könnten Krematorien in Deutschland jährlich über 100.000 Tonnen CO₂ einsparen.
Und zu guter Letzt erinnert uns Rainer Braun daran, dass trotz schwieriger Zeiten in der Wärmebehandlung die Abschreckhärtetechnik ein fester Bestandteil des Prozesses bleibt. Neue Abschrecköle, Digitalisierung und KI treiben sie weiter voran.
Wir wünschen Ihnen eine erkenntnisreiche Lektüre – mit Anlagen, die flexibel reagieren, und Ideen, die Energie neu denken.
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Unsere Top Themen
- „Wir haben keine Rohstoffe, keine Raffinerien und teure Energie. Wie sollen wir überleben?“
Interview mit Giorgio Di Betta, Sales Director Eural Gnutti S.p.A., Vorsitzender der Extrusion Division bei European Aluminium und Präsident von Centroal“
- Strom oder Gas? Warum nicht beides?
- Volatile Energieverfügbarkeit erfordert flexible Thermoprozesse
Interview mit Prof. Dr.-Ing. Christian Wuppermann, Leiter des Instituts für Industrieofenbau und Wärmetechnik der RWTH Aachen University - Betriebserfahrungen mit einem hybriden Doppel-P-Strahlrohr
Steven Bullert, Dr.-Ing. Joachim Wünning, Dr.-Ing. Andreas Queck, Dr.-Ing. Bernhart Stranzinger, Dr.-Ing. Markus Mann, Dipl.-Ing. Michael Keller - Dezentrale elektrische Luftvorwärmung als Werkzeug zur Emissionsoptimierung
von Industriegasbrennern
Sebastian Schengber, Lars Schröder - Elektrifizierte Prozesswärme durch hybride Erwärmungstechnologien
Dr. Marco Rische, Dr. Martin Ennen
Weitere Themen
- Aus der Praxis: Effiziente elektrische Prozesswärme für energieintensive Industrien
Hauptbeiträge
Systematische Potentialanalyse zur industriellen Abwärmenutzung in der Großlagerschmiede – Teil 1
Jan Fischer
Mit Presshärten Verschleiß- und Strukturteile für Maschinen und Nutzfahrzeuge wirtschaftlich fertigen
F. Stephan Auch
Wie deutsche Krematorien jährlich über 100.000 Tonnen CO2 einsparen könnten
Leona Niemeyer
